SRMA - Steroid responsive Meningitis-Arteriitis
Aktuelles:
An der University of Sydney forscht aktuell Claire Wade zur Vererbung von SRMA beim Toller, mit dem Ziel in Zukunft einen Gentest zu haben. Dafür werden zur Zeit dringend DNA-Proben von beroffenen Tollern benötigt.
Mitmachen und der Forschung ist ganz einfach und hilft uns allen!
Weitere Infos zur Studie und den Proben unter dem folgenden Artikel.
Die steroid-responsive Meningitis-Arteriitis (SRMA) ist eine akute Entzündung
der Blutgefäße innerhalb der Hirnhäute, einer Membran, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt, ausgelöst durch eine fehlgeleitete Immunreaktion. Das Immunsystem greift dabei Bereiche des eigenen Körpers an.
Häufig betroffene Rassen: Beagle (daher auch unter Beagle-Pain-Syndrome bekannt), Boxer, Bernersennenhund und der Nova Scotia Duck Tolling Retriever.
Betroffene Hunde sind überwiegend zwischen 6 und 24 Monaten alt, jünger oder älter ist aber auch möglich. Beobachtungen zeigen, dass mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit eines ersten Auftretens von SRMA sinkt.
Ursachen & Auslöser
Als Ursache wird eine komplexe genetische Grundlage angenommen, deren Vererbungsweg ungeklärt ist. Bisher gibt es für den Toller keinen Gen-Test, der eine Veranlagung oder ein erhöhtes Risiko aufzeigen kann.
Warum genau SRMA-Schübe auftreten, ist auch weitestgehend ungeklärt. In Studien konnte kein Zusammenhang mit häufig vermuteten Auslösern wie Impfungen, Geschlecht o.ä. nachgewiesen werden.
Symptome
- Plötzliche Bewegungsunlust oder Mattigkeit
- Gesenkte Kopfhaltung, steifer Hals, schmerzhafter Rücken
- Fieber, Appetitlosigkeit
- Spielzeug aufheben / fressen vom Boden schwer oder nicht möglich
- Manchmal Lahmheit, neurologische Ausfälle
Diagnostik:
Wichtig: Um SRMA vollständig diagnostizieren zu können, darf vor Blut- & Liquor-Untersuchungen
kein Kortisongegeben werden.
Gegen Schmerzen/ Fieber kann z.B. Novalgin vom Tierarzt verschrieben werden, um die Symptome bis zur vollständigen Diagnose zu lindern.
- je schneller eine Diagnostik gemacht wird, desto besser!
- Beim Haustierarzt: Fieber, Schmerzhaftigkeit in der (Hals-)Wirbelsäule
- Blutuntersuchung: erhöhte Entzündungswerte (Leukozyten, neutrophile Granulozyten), erhöhter CRP, erhöhter IgA sprechen für SRMA-Verdacht
Bestätigt sich der Verdacht nach diesen Untersuchungen, folgen zur weiteren Abklärung:
- Liquoruntersuchung: erhöhte neutrophile Granulozyten + IgA (+ Eiweiß, keine Bakterien)
- Optional ergänzend: MRT, Gelenkspunktion
Behandlung
Wichtig: Es empfiehlt sich, Tierärzte mit Erfahrung in diesem Bereich zu wählen, z.B. in größeren Praxisgemeinschaften oder (Uni-)Kliniken. Grundsätzlich ist SRMA im Bereich der Neurologie verortet.
- Medikation: Prednisolon (Kortison) als immunsupprimierendes Medikament (+ ggf. Cyclosporin, Mycophenolat oä)
- Dosierung & Dauer:
Aktuell werden diese 2 verschiedenen Behandlungsprotokolle empfohlen (u.a. TiHo & Uniklinik Leipzig, Tierklinik Norderstedt):
- Behandlung mit Kortison über mind. 6 Wochen, hohe Anfangsdosis wird mittels Plan & CRP-Kontrollen langsam reduziert und ausgeschlichen
- Behandlung mit Kortison über mind. 6 Monate, hohe Anfangsdosis wird begleitet von CRP-Kontrollen langsam reduziert und ausgeschlichen. Protokoll nach A.Tipold:
2mg/Kg Prednisolon 2x am Tag für initial 48h
1mg/Kg Prednisolon 2x am Tag für 12 Tage
0,5mg/Kg Prednisolon 2x am Tag für 6 Wochen
0,5mg/Kg Prednisolon 1x am Tag für 6 Wochen
0,5mg/Kg Prednisolon 1x jeden 2. Tag für 6 Wochen
0,5mg/Kg Prednisolon 1x jeden 3. Tag für 6 Wochen
—> Studien haben verglichen: 6-Monats-Protokoll + 6-Wochen-Protokoll mit Prednisolon ohne signifikanten Unterschied bzgl. Rezidivrate (beide ca. 30%).
- Regelmäßige Blutbild + CRP Kontrolle VOR Dosisreduktion
- Liquorkontrolle optional
- Magenschutz!
- Ruhe – Symptome schwinden schnell nach Beginn der Therapie, Hund ist trotzdem krank
—> Im Falle eines Rezidives (während oder nach der Behandlung) sollte abgewogen werden, ob eine Protokoll-Änderung
und ggf. ergänzende Medikamente Sinn machen.
Perspektive
SRMA gilt als gut behandelbar. Wichtig ist, dass bei Auftreten von relevanten Symptomen zeitnah diagnostiziert und behandelt wird.
Nebenwirkungen durch Kortison etc. sind möglich, verringern sich aber meistens durch die planmäßige Reduktion zügig.
Es wird dringend empfohlen, die Behandlungspläne einzuhalten und auf Grundlage von regelmäßigen CRP-Kontrollen individuell zu verfahren, sprich ggf. Dosierungsreduktionen nach hinten zu verschieben.
Rückfälle sind möglich, laut verschiedener Studien liegt die Quote bei 16-60%.
Eine Studie spricht von Rückfällen bei 32,4% der untersuchten Hunde. Davon ein Rückfall: 62,5 %; zwei Rückfälle: 25,0 %; drei Rückfälle: 8,3 %; vier Rückfälle: 4,2 %. Ursachen für Rückfälle wurden bisher keine signifikanten gefunden.
Quellen:
„Steroid-responsive meningitis-arteritis: What have we learned since 2010? A narrative review“ A. Tipold & Jan C. Wohlsein 2023
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1090023323000813
„Prospective randomized trial comparing relapse rates in dogs with steroid-responsive meningitis-arteritis treated with a 6-week or 6-month prednisolone protocol“ ROSE, Jeremy H., et al https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jvim.17130
„Relapses in dogs with steroid-responsive meningitis-arteritis“ Biedermann, E., A. Tipold, and T. Flegel 2015 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jsap.12418
"Steroid-responsive meningitis-arteritis in Nova Scotia duck tolling retrievers." Hansson-Hamlin, H., and I. Lilliehöök, The Veterinary Record 173.21 (2013) https://www.cabdirect.org/cabdirect/abstract/20133411492
"Steroid responsive meningitis‐arteritis: a prospective study of potential disease markers, prednisolone treatment, and long‐term outcome in 20 dogs (2006–2008).“ Lowrie, M., et al https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/j.1939-1676.2009.0337.x
"The impact of demographic, social, and environmental factors on the development of steroid‐responsive meningitis‐arteritis (SRMA) in the United Kingdom.“ Rose, J. H., et al. Journal of veterinary internal medicine 28.4 (2014): 1199-1202. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jvim.12360
Disclaimer: Die Inhalte auf dieser Seite wurden mit Sorgfalt recherchiert, dienen jedoch nur zu Informationszwecken. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Informationen können und sollen eine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung nicht ersetzen.
Hinweise auf Fehler oder aktuellere Studien/ Empfehlungen nehme ich Imme gerne entgegen.
Am 24.09. 2025 haben wir im Rahmen eines Infoabends über SRMA und den aktuellen Stand der Forschung informiert.
Das Interesse war groß, vielen Dank an alle, die da waren!
Zum Nachlesen oder neu einlesen hier das Handout zum Abend: Handout
Forschung zur Vererbung von SRMA beim Toller
An der University of Sydney forscht Prof. Claire Waide seit einiger Zeit im Bereich Genetik und SRMA. Ziel ist es, einen Test zu entwickeln, der das Risiko einer Erkrankung vorhersagen und somit einen wertvollen Beitrag in der Zucht leisten kann.
Für diese Studie werden DNA-Proben von betroffenen und tierärztlich diagnostizierten Tollern gesucht.
So geht's:
- Alle 3 Dokumente runterladen & lesen
- 4 Interdentalbürsten (mind. Größe 5) besorgen & laut Anleitung einsetzen
- Trocknen lassen, verpacken & mit allen relevanten Daten beschriften
- Einverständniserklärung ausfüllen und dazu legen
- Versand
In Schweden an der
Universität in Uppsala läuft seit 2002 ein großes Research-Projekt:
"Immunological diseases in Nova Scotia Duck Tolling Retrievers"
Malin Nilsson & Helene Hamlin haben 2025 im Rahmen eines Webinars über den aktuellen Stand des Projektes informiert.
Webinar bei Youtube: https://youtu.be/aoKCbRH9mMc?si=COfOkx83VcT26lkQ
Weiteres zum Projekt: https://www.slu.se/en/research/research-catalogue/projekt/i/immunological-diseases-in-nova-scotia-duck-tolling-retrievers/